Wir öffnen den Briefkasten. Und mit einem Schreiben ist plötzlich alles anders. Für viele nicht das erste Mal; es ist mal wieder soweit. Wir machen Pläne, organisieren unser Leben, gründen Familien und richten uns ebenso ein, wie wir können. Aber dennoch. Niemand schützt uns. Der Spekulant hat das letzte Wort.

Werde ich hier weiter wohnen können? Kann ich mir in der Zukunft noch eine Wohnung leisten? Oder muss ich hier raus? Ein Schreiben vom Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg beantwortet diese Fragen: Die Zukunft ist ungewiss.

Die Schöneberger Rote Insel ist seit 2015 Soziales Erhaltungsgebiet (Milieuschutz). Doch das lässt sich umgehen; denn die Umwandlung in Eigentumswohnungen ist nur eine Formsache. Es gibt da eine Ausnahmeregelung in der Verordnung, die uns eigentlich schützen soll. Veräußerung von Wohnungen für die Dauer von 7 Jahren nur an die Mieter (Ausnahmetatbestand Nr. 6, $172 Abs.4 Satz 2 und Satz 3 des Baugesetzbuches). Also einen Antrag stellen, sieben Jahre warten und dann die Wohnungen verkaufen. Klingt einfach — ist es auch.

Das hat unsere Eigentümerin, die nicht unbekannte Covivio SE scheinbar mit unseren Wohnungen vor. Immerhin hat uns das Bezirksamt über deren Antragstellung zur Umwandlung in Wohnungseigentum informiert. Sonst hätten wir das nicht erfahren. Und die 7 Jahre wären so verstrichen.

Leider sind wir nicht allein mit diesem Problem. Covivio, Deutsche Wohnen & Co wissen, wie man die beste Rendite erzielt. Deswegen tun wir uns zusammen. Im Haus, im Kiez, im Bezirk, in der ganzen Stadt, überall.

Wie kann ein Mensch Mensch sein ohne ein Dach über dem Kopf?

Es geht um zigtausend Wohnungen. Und wir werden uns wehren.

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