Der denkmalgeschütze Baubereich Riehmers Hofgarten mit seinen ca. 200 Miet- und Gewerbewohnungen wurde 1981 erstmals mit den Mitteln aus dem Landeshaushalt saniert. Nach Ablauf der 15-jährigen Mietpreis- und Wohnungsbelegungsbindung, versuchten die damaligen Eigentümer durch eine weitere Bebauung - bei gleichzeitigem Abriss des Kinos - die Rendite der Anlage zu erhöhen. Nach behördlicher und danach richterlicher Ablehnung dieser Pläne verkauften die Eigentümer mit beträchtlichem Gewinn den Hofgarten 2006 an einen irischen Investor. Freiwerdende Wohnungen wurden seitdem nicht weitervermietet, sondern standen leer oder wurden als Ferienwohnung vermarktet.

Die Finanzkrise ließ u. a. auch diese Strategie scheitern: 2012 wurde der Hofgarten erneut teuer verkauft. Nun gab es drei Eigentümer und eine Teilung des Hofgartens in die Anteile Hagelberger Straße 11 und 12, Anteile Häuser Großbeerenstraße 56, 56a-f.57, 57a, Hagelberger Straße 10c, Yorckstraße 84 b und Anteile Yorckstraße 83-87 (einschließlich Hotel und Kino), Hagelberger Straße 9-10.

Aus dem belebten und bewohnten Riehmers Hofgarten war ein Spekulationsobjekt geworden

Der Leerstand belief sich mittlerweile auf mindestens 80 Wohnungen, an dem die seit 2014 bestehende Fehlbelegungsverordnung bis heute nichts geändert hat.

Mieterinitiative und gescheitertes Genossenschaftsmodell

2011 gründete sich eine Initiative aus Mieter*innen des Riehmers Hofgartens mit dem Ziel, den Hofgarten in ein Genossenschaftsmodell umzuwandeln. Der erneute Verkauf des Hofgartens im Jahr 2012 machte diese Hoffnung zunichte. Aus der Genossenschaftsinitiative wurde eine Mieterinitiative, die bis heute alle Bestandsmieter des Hofgartens umfasst.

Durch die Aufteilung des Riehmers Hofgarten in drei Eigentumsbereiche gibt es nun drei unterschiedliche Entwicklungen

Die Wohnungen in der Hagelberger Straße 11-12 wurden in Wohnungseigentum umgewandelt, leerstehende Wohnungen wurden saniert, ein Innen- Fahrstuhl wurde eingebaut. Da es nur noch wenige Altmieter*innen gab, vollzog sich dieser Prozess ohne großes Aufsehen.

Bereich Großbeerenstraße

Die Häuser und Wohnungen im Bereich Großbeerenstraße wurden allesamt in Einzeleigentum aufgeteilt und über vier Jahre saniert und modernisiert (Fassaden, Heizung, Dachausbau, etc.). Die Mieterinitiative konnte Modernisierungsvereinbarungen zu ihrem Schutz durchsetzen. 2018 wurde die Mehrheit der Wohnungen erneut verkauft und nach Ablauf der Frist für den Vorverkauf zu einem horrenden Preis gingen die Wohnungen an zwei Tochtergesellschaften der Accentro Real Estate AG. Diesen Häusern stehen nun weitere Instandsetzung- und Modernisierungsmaßnahmen einschließlich Fahrstuhleinbau im Eiltempo bevor, um den teuren Kaufpreis vermarkten zu können. Die Frist für Eigenbedarfskündigung nach 10 Jahren begann mit dem Verkauf der Wohnungen.

Bereich Yorckstraße

Die Mieter*innen der dritten Eigentümergesellschaft, der Neue Riehmers Hofgarten GmbH Berlin, mit den Häusern an der Yorckstraße einschließlich Hotel und Yorck-Kino und in der Hagelberger Straße 9 und 10 befinden sich seit 2013 in Warteposition. Die umfangreichen Baupläne der Investoren, die wiederum das Kino abreißen wollen und stattdessen, mit Bezug auf die historische Bebauung vor dem Krieg, die Pläne für Abriss und Neubau begründen, wurden bislang vom Bezirksamt und Senat abgelehnt. Instandsetzungsmaßnahmen werden nur im nötigsten Fall getätigt. Fenster, Fassaden und Dächer sind erheblich beschädigt, ca. die Hälfte der Wohnungen steht leer. Alle Wohnungen wurden in Wohnungseigentum umgewandelt.

Die Umwandlung der Wohnungen in Eigentumswohnungen und die drohende Eigenbedarfskündigung war und ist für alle Mieter*innen der schärfste Eingriff in ihre Lebensplanung, besonders wenn man seit 40 bis 50 Jahren dort wohnt. Eine vergleichbare Wohnung in Kreuzberg zu finden, wird aussichtslos sein. Dies gilt für die älteren Mieter wie auch für die jungen Familien. Daneben empfinden alle Bewohner*innen den Leerstand als einen ungeheuerlichen Skandal. Es verletzt das Rechtsempfinden und es fühlt sich falsch an, in einem so schönen großzügigen Areal und Gebäude nur mit wenigen Nachbarn zu leben!

Dagegen stärkt uns der Zusammenhalt in der Mieterinitiative. Wir können dadurch wirksam auftreten, uns gegenseitig unterstützen und der Vereinzelung entgegenwirken.

Der Riehmers Hofgarten war immer eine gute Adresse. Aber es war nie ein Luxuswohnen und ein abgeschottetes Areal, sondern offen und durchgängig

Hier leben und lebten Menschen mit Durchschnittseinkommen in Wohnungen mit einem schönen, aber normalen Standard. Das möchten wir schützen!

Foto: michaelberlin (Flickr), Attribution-ShareAlike 2.0 Generic (CC BY-SA 2.0)