In unseren drei Häusern der Urbanstr.67 leben und arbeiten ca. 100 Menschen. Hier gibt es 33 Wohnungen und 8 Gewerbeflächen. Ein Späti, eine Autowerkstatt, verschiedene Büros, Ateliers, Tanz- und Yogastudios gehören zu uns.

Seit vielen Jahrzehnten wohnen und arbeiten hier unterschiedliche Generationen mit diversen kulturellen und sozialen Hintergründen und unterschiedlichen Lebensarten und -konzepten zusammen – die bisher typische Kreuzberger Mischung eben. Einige wohnen seit über 35 Jahren in ihren Wohnungen und haben hier ihren Lebensmittelpunkt mit guter Einbindung in den Kiez.

Wir fühlten uns hier in unserem Zuhause mit unserem privaten Vermieter und im Milieuschutz sicher!

Aber am 3. Mai 2019 erfuhren wir aus heiterem Himmel, dass die beiden Wohnhäuser und die Fabrik von unserem alten Eigentümer über eine Tochterfirma an Rocket Internet SE verkauft wurde! (Das sind die Samwer Brüder, die mit ihren Startups wie Zalando und HelloFresh zu Millionären geworden sind und jetzt auf Immobilienshoppingtour in Berlin gehen). Der Kaufpreis war völlig überhöht. Also war zu erwarten, dass die Mietverhältnisse sich gewaltig ändern würden, wenn der Hauskauf sich für R.I. lohnen sollte. Deswegen machte der Bezirk Anfang Juli sein Vorkaufsrecht geltend, die Gewobag wollte die beiden Vorderhäuser zu ihren Konditionen erwerben und für die Fabrik gründeten wir die Genossenschaft „Eine für Alle eG“.

Wir schöpften wieder Hoffnung und steckten viel Arbeit in die Entwicklung von Hauskonzepten, Finanzierungsmöglichkeiten und Öffentlichkeitsarbeit. Wir waren bereit Kredite aufzunehmen, Eigenkapital einzubringen, sowie freiwilligen Mieterhöhungen im Rahmen unserer Möglichkeiten zuzustimmen mit dem Ziel ein Darlehen in Millionenhöhe von der Bank zu erhalten, um das Haus selber zu kaufen und nicht an einen renditeorientierten Investor zu verlieren. Bis zuletzt haben wir auf die eingeplanten Zuschüsse des Landes gehofft, die aber trotz des großen Einsatzes von Florian Schmidt und unserer Hausgemeinschaft nicht bereitgestellt werden konnten. Die Begründung waren bürokratische Hürden und fehlende Strukturen seitens des Senats, der nicht auf eine Förderung von Häusern mit einer Mischung von Wohnen und Gewerbe vorbereitet ist. Aufgrund der Kreuzberber Mischung, für deren Erhalt wir kämpfen, und der Teilung der Häuser wurden wir somit zum Präzedenzfall des Berliner Vorkaufmarathons 2019.

Nun ist im Herbst eingetreten, was wir versucht haben zu verhindern: der Vorkauf wurde zurückgezogen und die Rocket Internet Tochterfirma ist offiziell GRC1 Germany GmbH – seit 1.11.2019 Eigentümer der Urbanstr. 67. Wir haben eine neue Hausverwaltung, die „von Rueden Immobilien GmbH“.

"Urbanstr. 67"

Trotz der Behauptung des Mutterkonzerns Rocket Internet, sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst zu sein, war ihr Tochterunternehmen nicht bereit, die in Kreuzberg inzwischen übliche, verschärfte Abwendungsvereinbarung zu unterschreiben. Im Gegenteil, in der von ihnen eingereichten Abwendungsvereinbarung, die für die Vorderhäuser gilt, haben sie unseres Wissens nach u.a. die Strafzahlungen bei Verstößen von 1 Million € auf 100.000 € gesenkt und die Laufzeit des Vertrags von sonst üblichen 20 Jahren auf 10 Jahre reduziert. Mit den Wohnmietenden der Fabrik möchten sie Einigungen treffen, damit diese ihre Wohnungen aufgeben. Im Gegensatz zu den normalen Wohnmietverträgen der Vorderhäuser laufen die Mietverträge aller Gewerbetreibenden der Fabrik zeitnah aus und keiner davon soll verlängert werden. Die erste Kündigung hat die Autowerkstatt kurz vor Weihnachten erhalten und zurzeit laufen Aufmessungsarbeiten im gesamten spekulationsattraktiven Fabrikgebäude. Diese Regelungen haben nichts mit einem realen Milieuschutz zu tun und sind für uns unzumutbar.

  • Wir fordern den Schutz ALLER Mietenden, sowohl Gewerbe als auch Wohnen!
  • Wir fordern die Verlängerung der Mietverträge zu sozialverträglichen Konditionen!
  • Wir fordern die Politik auf, Veränderungen der Strukturen vorzunehmen, die Fördermöglichkeiten im Vorkaufprozess für Gewerbe und Wohnen ermöglichen!
  • Wir fordern Milieuschutz und Mietendeckel für Kleingewerbe!
  • Wir fordern spekulationsfreien Wohnraum! Wir fordern alle Akteure auf, die sich auf dem Berliner Wohnungsmarkt bewegen, sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst zu werden!

EIGENTUM VERPFLICHTET!

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